Fachfeld Familienbildung - Thesen, Hintergründe, Qualitätserhalt

Familie ist der erste Bildungsort eines Kindes.

Sie schafft Grundlagen und Parameter für alle kindlichen Bildungsprozesse.

 

Bildung ist ein wichtiger Baustein für eine lebendige, funktionierende Gesellschaft. Bildung für alle ermöglicht aktive Teilhabe, Selbstbewusstsein und Toleranz.

 

Fördern, nicht fordern.

Fördern bedeutet, eine Umgebung zu schaffen, in der das Baby sich nach seinem Rhythmus entwickeln kann, ohne dass wir es daran buchstäblich behindern.

Fördern bedeutet, Eltern in der oftmals krisenhaft erlebten Zeit des Übergangs von der Partnerschaft zur Familie zu begleiten und zu unterstützen.

Fördern bedeutet, bei Eltern und Kindern nicht die Defizite zu sehen, sondern vor allem die Fähigkeiten und Kenntnisse wahrzunehmen und zu bestärken.

 

Bildung durch Bindung.

Wie gelingt positive Förderung? Indem die Bindung zwischen Eltern und Kind bestärkt wird. Dies geschieht, weil die Familienbilderin im entsprechenden Setting eine vertrauensvolle Bindung zur Familie aufbauen kann. Der Auftrag von Familienbildung ist es, auf ganz unterschiedlichen Wegen und Zugängen zum Gedeihen der familialen Bindung beizutragen. Denn Vater und Mutter sind einfach die wichtigsten Moderatoren, Vorbilder und Bestärker für ihre Kinder.

 

Familienbildung als Dienstleister in Übergangszeiten.

Familienzeit ist Übergangszeit: vom Paar zur Familie, von der Familie in den Kindergarten, später zur Schule und in den Beruf; in Trennungs- und Veränderungsprozessen; in verschiedenen Lebensphasen bis hin zum Loslassen und Gehen. Hier schafft das Fachfeld Familienbildung den Ort und bietet die Anlässe, um Familien unangestrengt und einladend in diesen oft als schwierig erlebten Zeiten zu bestärken.

 

Eine Familie braucht heute vielfältige Erziehungs- und Alltagsbewältigungskompetenzen. Die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen verlangen zudem ein hohes Maß an Flexibilität, das dem struktur- und haltgebenden Lebensrhythmus der ersten Jahre mit kleinen Kindern oft entgegen steht. Deshalb ist es so wichtig, dass die Bestärkung der ganzen Familie in Blick genommen wird, wenn wir die kindlichen Bildungsprozesse positiv beeinflussen wollen.

 

Professionelle Familienbildung ist wertvoll.

Sie arbeitet primärpräventiv und ist oft eng verknüpft mit Angeboten der Frühen Hilfen. Familienbildung ist zudem das einzige Setting, in dem alle Generationen (Kinder, Eltern und manchmal auch Großeltern) regelmäßig gesehen werden. Familienbildung ist im Kinder- und Jugendhilfegesetz (§ 16 SGB VIII) verankert. Sie ist ein eigenständiger Handlungsbereich präventiver Jugendhilfe, der mit anderen Leistungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe verbunden ist.

 

Angebote der Familienbildung werden zu allen wesentlichen Bereichen des Familienlebens angeboten. Sie zielen darauf, Familien zu stärken, zu ermutigen und zu entlasten, Lernprozesse in der Familie zu unterstützen und Erziehungskompetenzen zu stärken.

 

Kompetenzen der Familienbildung:

  •  Methodenkompetenz
  •  Sozialrechtliche Kompetenz
  •  kommunikative Kompetenz (systematische, theoriebasierte, methodisch vielfältige Gesprächsführung)
  •  Personale Kompetenz (Reflexionsfähigkeit, Empathie, Wertschätzung, professioneller Optimismus, Empowerment)
  •  Genderkompetenz
  •  Interkulturelle Kompetenz

Gesetzlicher Auftrag

Familienbildung arbeitet im Rahmen des

  • Kinder- und Jugendhilfegesetzes (§16 SGB VIII)
  • Frühe Hilfen – Bundeskinderschutzgesetzes,
  • Bildungs- und Erziehungsplans (BEP) Hessen 

Familienbildnerische Angebote beziehen sich in ihrer Arbeit auf den Bildungsbegriff des BEP und die darin ausformulierte pädagogische Haltung. Hauptziel ist dabei die Stärkung der Bildungs- und Erziehungs-kompetenzen in der Familie, damit gute Basiskom-petenzen für Bildung erworben werden. Alle am Bildungsprozess beteiligten Akteure sind in das Bildungsgeschehen eingebunden. Dabei werden wichtige Grundlagen für eine aktive Erziehungs-partnerschaft gelegt. Darüber hinaus liegt ein besonderer Fokus auf der Begleitung und Gestaltung von Übergängen: vom Kindergartenkind zum Schulkind, von der Schule zur Ausbildung, vom Paar zur Familie, vom Elternschaft zu Großelternschaft. Ein weiteres Thema ist der Blick auf einer gesunden Arbeits- und Lebens-Balance.

Familienbildung ist wissenschaftlich und theoretisch verortet in den Fachdisziplinen Frühe Kindheit / Frühe Bildung und Erwachsenenbildung.

 

Ihre Themenfelder sind vielfältig:

  • Gesundheit
  • Alltagskompetenzen
  • Ernährung
  • Finanzen
  • Demokratieverständnis in der Familie
  • Ressourcenschonung
  • Gemeinwesen

 

Familienbildnerische Angebote bieten Raum und Zeit für Menschen mit unterschiedlichen Wünschen und Bedarfen: sie sind Knotenpunkte, Anlaufstelle, Netzwerk und Informationsbörsen.  Alle Familien erhalten frühzeitlich, ganzheitlich, niedrigschwellig und wohnortnah bei der Gestaltung des Familienalltags Unterstützung. Hier sind Menschen aller Generationen und Kulturen willkommen und finden Möglichkeiten zum Austausch, für neue Kontakte, Bildung, Beratung und vieles mehr.

Qualitätserhalt

Zur Praxisreflexion und zum Qualitätserhalt finden regelmäßig Fachforen der AHF statt.

 

Zu relevanten Themen werden Qualifizierungsmodule angeboten, die auch einzeln gebucht werden können.